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Schutzengel in Trauer

Unser Freund und „Duga“-Heimleiter – Admir Ljescanin ist in der Nacht zum 19. April in Bihac nach einem schweren Krebsleiden gestorben. Mehrere Mitglieder des Vereins „Schutzengel gesucht“ haben sich deshalb in der Nacht zum 20. April auf den Weg gemacht, um Admir die letzte Ehre zu erweisen und um sich von ihm zu verabschieden.

Nach Bekanntwerden des Todes von Admir schien Kulen Vakuf in eine Schockstarre zu verfallen. Menschen fielen sich auf der Straße um den Hals und weinten hemmungslos, die Frauen im Kinderheim schienen untröstlich und der Brieftäger aus Vakuf war den ganzen Tag damit beschäftigt Beileidstelegramme zuzustellen.

Auch in Bihac verbreitete sich die schreckliche Nachricht wie ein Lauffeuer. Die beiden Direktoren der Stadtgalerie Bihac, Dado und Nermin, organisierten spontan eine Gedenkfeier im Kulturcentrum Bihac, an der am Freitagvormittag mehrere Hundert Menschen teilnahmen: Künstler, Freunde, Vertreter aus der Stadtverwaltung und den Sozialzentren des Kantons Una Sana, Vertreter der Polizei und der Schulen und, und und.  Der Beerdigung am Freitagnachmittag auf dem Friedhof der Kantonshauptstadt wohnte eine schier unübersehbare Menschenmenge bei.

Bei der Trauerfeier im Kulturzentrum würdigte „Schutzengel“-Vorstandsmitglied Arno Heider den Verstorbenen und versprach – wie schon Anfang April „Schutzengel“-Vorsitzender Günter Prantl – den Erzieherinnen des „Centar Duga“, dass „wir die Arbeit im Sinne von Admir weiterführen werden.“ Niemand müsse Angst um seinen Arbeitsplatz haben.


Hier das Redemanuskript von Arno Heider:


Liebe Trauergemeinde,

es ist schwer, die richtigen Worte zu finden. Denn: In dem Moment, in dem man unausweichlich anerkennen und sehen muss, dass es den Menschen, dem man so viel verdankt, nicht mehr gibt. Da wird es still in uns, still in mir.

Menschen wie Admir einer war, werden immer weniger. Dabei werden sie so dringend gebraucht auf dieser Welt.
Admir war der Statthalter unseres Vereins „Schutzengel gesucht“. Mit  ihm haben wir das Kinderheim „Centar Duga“ gebaut, und er hat es mit seinem Team in Kulen Vakuf zu dem gemacht, was es heute ist. Admir hat für dieses Kinderheim gelebt. Und für seine Familie.

Er war ein Mann mit Charakter, der in jeder Situation die passenden Worte fand ohne sie jedes Mal auf die Goldwaage zu legen. Er war offen, neugierig, entschlossen, ein Mensch voller Tatendrang, manchmal eigensinnig. Er war stets Optimist – doch auch im Verlauf seiner schweren Krankheit konnte er Spaß mit uns haben.
Admir – und das zeichnete ihn am meisten aus – konnte Menschen begeistern. Er hatte die Fähigkeit Menschen anzuleiten und zu führen. Ohne Druck. Einfach durch seine Art Admir zu sein. Er war zuverlässiger Ansprechpartner, Organisator, Vorbild. Allen Menschen mit Respekt zu begegnen, das war sein Credo. Selbst den kleinsten Kindern gegenüber. Er war ein Kraftwerk, ein großer Kämpfer bis zuletzt. Noch in der Klinik in Erlangen, noch in Sarajevo.

Ein Kinderheim „Centar Duga“ ohne Admir? Geht gar nicht, dachten wir. – Aber wir müssen umdenken. Wir werden sein Lebenswerk in seinem Sinne fortsetzen, so lange wir das von Deutschland aus leisten können. Niemand in „Centar Duga“ muss in den kommenden Jahren Angst um seinen Arbeitsplatz haben. Das verspreche ich im Namen von Admirs Freunden, die heute – zu diesem schweren Tag aus Deutschland nach Bihac gekommen sind, um Abschied zu nehmen. Wir wollten noch so viel zusammen machen. Das geht jetzt nicht mehr.
Der Familie wünschen wir viel Kraft, über den Tod des geliebten Menschen hinweg zu kommen. Wir sind bei Euch, und wir bleiben bei Euch und bei den vergessenen Kindern aus dem Kanton.

Wir verneigen uns vor der Lebensleistung dieses einzigartigen Menschen.

Machs gut Admir.